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Erfahrungsbericht IGZ APRI-Kurs Forst I



  Einstelldatum: 26.11.2012
Forst I – Ausbildungskurs der IGZ vom 4.-6.10.2012 bei „Rossnatour“ in Laichingen
Am ersten Wochenende des bereits herbstlich daherkommenden Monats Oktober begab ich mich
voller Vorfreude, oder wie es ein Teilnehmer trotz aller Anstrengungen später ausdrücken sollte: „in
Urlaubsstimmung“, zum Fortbildungskurs Forst I nach Laichingen, hatte mich bereits der
Grundkurs Arbeitspferde am selben Ort gefesselt und die Inhaberin und Ausbilderin Christel Erz
begeistert.
Und auch bei diesem interessanten, im Schwerpunkt praktischen Kurs sollte sich schnell wieder
bestätigen, dass die Ausbilder als auch Kursteilnehmer sämtlich „Pferdenarren“ sind, die mit Herz
aber auch wirtschaftlichen Verstand den sooft bereits als „ausgedient“ titulierten Arbeitspferden
neue Einsatzgebiete erschließen oder zurück eroberen in unserer schnelllebigen, technisierten,
jedoch mehr und mehr wieder auf ökologische Aspekte achtenden Umwelt, sei es im privaten
Bereich oder aber wie bei Rossnatour im hauptberuflichen Gewerbe.
So kamen an dem grauen, bereits recht kühlen Donnerstagmorgen des 4. Oktober, der mit Kaffee
und einer lockeren Vorstellungsrunde in dem behaglich aufgeheizten Kursraum beginnen sollte,
interessierte Handwerker, Selbständige und Akademiker aus Bayern, Thüringen und Baden-
Württemberg zusammen, die alle wissbegierig den theoretischen Einweisungen von Christel und
ihren Mitarbeitern lauschen sollten, dabei immer wieder selbst mit eigenen Erfahrungen und
Anekdoten aus ihrem Leben, dem Umgang mit Pferden zur Bereicherung des Kurses beitragen
konnten. Es herrschte dabei von Anfang an eine freundliche, beinahe vertraute Atmosphäre unter
allen Anwesenden, die heutzutage beileibe selten geworden ist und sich neben der gleichen Passion
aller Teilnehmer, einem gefühlten inneren Gleichklang, einem Grundverständnis wohl nicht zuletzt
auf die offene und herzliche Art der Kursleiterin Christel zurückführen lässt. Gerade ihre
beeindruckende praktische Erfahrung als auch ihr theoretisches Wissen, gepaart mit einer
bodenständigen, authentisch freundlichen Ausstrahlung, ihr Anspruch, die Ausbildung ständig selbst
zu hinterfragen und für Anregungen aus der Runde, für Hinweise und Ergänzungen offen zu sein,
ohne dabei selbst an Autorität einzubüßen sondern vor allem an menschlicher Stärke zu gewinnen,
führen dazu, dass sich ein jeder wohlfühlt, sich einbringt und jederzeit voll bei der Sache ist, gern
auch über die Kurszeiten hinaus mit den Teilnehmern bei gemeinsamer Arbeit auf dem Hof oder in
geselliger Runde zusammen bleibt.
Der erste Vormittag verging mit einer theoretischen Wiederholung und Vertiefung von Fragen rund
um das Arbeitspferd und schloss mit einer Unterweisung in die verschiedenen Arbeitsgeschirre
(Brustplatt, Kumt, schwedisches Geschirr, neues Mönch-Geschirrsystem) als auch Arbeitsgeräte
(Sappie, Rückekette und Ortscheit in verschiedenen Ausführungen, Rückezange, Rückewanne
usw.), deren praktischer Einsatz ab, bevor nach einem gemeinsamen Mittagsessen der weitere Tag
mit dem Ardenner Ruby und dem Schwarzwälder Domino im Wald verbracht werden sollte. Jedem
Teilnehmer, je nach Vorwissen und Bedarf, wurde die Leinenführung, das richtige Anketten und
Bewegen von Holzstämmen bei gleichzeitiger Kontrolle des Arbeitspferdes gezeigt, bevor ein
anspruchsvoller Parcours mehrfach durchlaufen wurde, bei dem die angehängten Baumstämme über
und unter anderen Baumstammhindernissen hindurchgezogen, dichter Wald kurvenreif umfahren
und der Stamm rückwärts „eingeparkt“ werden konnte, was den Teilnehmer nicht zuletzt aufgrund
der hervorragenden Ausbildung der Arbeitspferde recht gut gelang.
Der nächste Morgen sollte mit einer erneuten kurzen theoretischen Einführung beginnen, in welcher
die wichtigsten Grundsätze von Achenbach, nämlich Pferdeschonung, Sicherheit und
Zweckmäßigkeit hervorgehoben wurden, die auch bei Arbeitspferden im Wald eineingeschränkt
Gültigkeit besitzen. Zudem wurde die nicht im eigentlichen Lehrplan enthaltene doch so immens
wichtige Frage ausgiebig diskutiert, wie das eigene Pferd an die Waldarbeit herangeführt und
ausgebildet werden muss, damit sich das erlernte Wissen auch bei den Kaltblütern zu Hause in
Zukunft umsetzen lässt.
Am späten Vormittag stand im Anschluss daran ein Treffen mit dem Förster Alfred Daiber im
Stadtforst Laichingen auf dem Plan, der uns aus seiner Sicht - die wohl noch eine Ausnahme seiner
Zunft darstellt - die Vorzüge und den Einsatz von Arbeitspferden im Forst erklärte, die heutzutage
auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten allein oder neben den Forstmaschinen als
Vorlieferer zum Einsatz kommen. Zum einen können die Abstände der Rückgassen von 20m auf
40m ausgedehnt werden, was die Holznutzfläche deutlich erhöht, zum anderen wird durch den
Pferdeeinsatz die Bodenverdichtung im Wald und Schäden an (Jung-)Bäumen weitgehend
verhindert. Bestätigt wurden letztere Erkenntnisse bei Förster Daiber, der seit gut 20 Jahren Hand in
Hand mit Christel Erz arbeitet, durch die Waldinventur im Laichinger Stadtwald, die einen
Rückgang der Baum- und Flurschäden um 50 % ergab und die Arbeit des Försters als
Aushängeschild und wegweisend für eine moderne, naturnahe Bewirtschaftung erscheinen lässt,
auch wenn sein Vorbild bisher wenig Nachahmer findet und wohl erst weitere wirtschaftliche
Einbussen durch Rotfäule und bei der Vermarktung von beschädigten Holz, der zunehmende
öffentliche Druck zu einer naturnahen Bewirtschaftung zu einem Umdenken im Staatsforst führen
dürfte.
Daran folgend konnten die Kursteilnehmer an diesen Tag in dem Laichinger Stadtwald ihr bisher
erworbenes Wissen praktisch unter Beweis stellen und unter idealen Bedingungen, d.h. bei klaren
Himmel, ebenen und weitgehend freiem Boden und weitmaschigen Baumbestand, Fichten- und
Buchenwipfel zur Hackschnitzelverarbeitung als auch Baumstämme zu den Rückegassen und
befestigten Wegen ziehen. Unter Pferde- und Ausbilderwechsel wurde den Teilnehmern dabei nicht
nur der Einsatz der verschiedenen Arbeitsgeräte gezeigt, durch diese selbst erprobt, vor allem auf
das umschauende Arbeiten wurde wert gelegt. Den richtigen Weg zwischen den Bäumen zu
erkennen, dabei die (anfängliche Dreh-) Bewegung des Stammes, das Pferd und das zu begehende
Gelände im Auge zu behalten, ständig Herr der Lage zu sein und Pferd sowie Holz zu kontrollieren,
erfordert andauernde Konzentration, kann das Arbeitspferd bei kleinsten Veränderungen in seiner
Umgebung, sei es wie erlebt die Motorsäge der Forstarbeiter, Wild oder Wanderreiter, in seine
angeborenen Reflexe verfallen. Da neben dieser geistigen Wachsamkeit die ständige körperliche
Anstrengung durch das Verketten der Stämme, dem Zurücklegen weitläufiger Fußstrecken tritt,
verwundert es kaum, dass der gemeinsame, gesellige Abend in einer nahen Wirtschaft nicht über
Maßen ausgedehnt wurde, wollte sich ein jeder Teilnehmer erschöpft aber zufrieden in seine
Ruhestätte trollen.
Auch den nächsten Tag verbrachten wir gänzlich holzrückend im Laichinger Wald und ein jeder war
erstaunt und erfreut darüber, wie schnell Verbesserungen im eigenen Arbeitsablauf zu verzeichnen
waren, wie zügig mit Übung eine gewisse Sicherheit in die Abläufe kommt, auch wenn immer
wieder neue Situationen zu meistern sind und wie erfüllend und befriedigend die Arbeit mit
schweren Pferden in Wald und Natur sein kann. Als es am späten Nachmittag dann zum letzten
Abschirren und Versorgen der Pferde kam, ein rasend schnell vergangener Kurs sich sichtbar dem
Ende zuneigte, wollte bei dem Ein oder Anderen doch ein wenig Melancholie aufkommen und so
verwundert es nicht, dass man auch nach dem offiziellen Ende noch eine Zeit lang bei Kaffee,
Kuchen und anregenden Gesprächen am aufgeschürten Ofen hocken blieb, bevor mit anbrechender
Dunkelheit Hände geschüttelt, Kontaktdaten ausgetauscht und sich vorerst Lebewohl gesagt wurde -
vielleicht bis auf ein Wiedersehen bei rossnatour, etwa zu einem Fahrkurs, ist die richtige und
sichere Leinenführung auch oder gerade im Wald eigentlich Grundvoraussetzung zum Arbeiten.
Für alle ging es nach herzlichem Abschied in die verschiedenen Himmelsrichtungen nach Hause,
um sich am Sonntag ein wenig zu erholen. Nur Christel war auch dieser Ruhetag nicht vergönnt,
war Sie mit ihren Pferden bereits wieder auf der Machbacher Hengstparade im Einsatz und das
vermutlich wie immer: mit vollem Herzen.
mh
www.rossnatour.de

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Im Mitgliedsbeitrag ist der Bezug der Zeitschrift - Starke Pferde - enthalten.


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