Ehrenmitglied Guido Weltin

Liebe Mitglieder der IGZ,

wir stellen Euch heute ein weiteres Ehrenmitglied der IGZ vor. Auch seine Geschichte ist seit frühester Jugend eng mit Pferden, mit Arbeitspferden verbunden.

Guido Weltin

Guido wurde noch vor dem 2. Weltkrieg geboren. Zu dieser Zeit besaßen die Eltern bereits den kleinen bäuerlichen Betrieb im Dorf Überlingen am Ried westlich des Bodensees, auf dem die Familie bis heute lebt. Für Guido war es immer ein schönes Erlebnis, den Großvater auf seiner Milchtour begleiten zu dürfen. Dieser holte die Milchkannen von den Milchsammelstellen und fuhr sie mit seinen zwei Arbeitspferden in die Molkerei nach Radolfzell. Auf den Straßen auch in der Stadt waren kaum KFZ und Lastwagen zu sehen. Straßenkehrer fegten den anfallenden Pferdemist zusammen, für den es immer Abnehmer gab.

1946, nach Ende des Krieges, starb der Großvater. Der Vater war noch in Gefangenschaft und die Familie mußte das letzte verbliebene Pferd gegen eine Kuh eintauschen. Es war eine harte Zeit für alle. Als der Vater 1948 heimkehrte, konnte die Familie langsam den normalen Betrieb wieder aufbauen. 1954 wurde wieder ein Arbeitspferd angeschafft, zu einer Zeit als auf den meißten Höfen die Pferde bereits verkauft und Trecker angeschafft wurden. Es gehört zu seinen traurigen Erinnerungen, als junger Mann mit angesehen zu haben, wie wöchentlich gesunde gut ausgebildete Arbeitspferde in Sammeltransporten an die Pferdeschlachtereien gingen. Seit dieser Zeit -ununterbrochen bis heute- arbeitet die Familie Weltin, trotzdem natürlich auch Trecker vorhanden waren, durchgehend mit Arbeitspferden.

Anfangs wurden z. B. Frühkartoffeln angebaut und in der Stadt verkauft. 1962 kam mit einer Württemberger Stute auch die Pferdezucht auf den Hof. Eine Hannoveraner Stute bildete die Stammutter einer Zuchtlinie, die bis 2010 auf dem Hof erhalten blieb. Alle Pferde -Kaltblut und Warmblut- wurden immer geritten und zur Arbeit eingesetzt. Zeitweilig wurde mit dem Betrieb eines Reiterhofes das nötige Geld verdient. In der touristisch interessanten Region fuhr Guido mit weiteren angestellten Fuhrleuten über Jahre gleichzeitig bis zu vier Planwagen für Gäste. 20 Jahre lang gab es den „Rösslebus“ eine regelmäßige Pferdebuslinie vom Bahnhof Radolfzell auf verschiedenen Strecken ins Stadtgebiet, organisiert und betrieben vom Hof Weltin. Noch heute mäht Guido mit seinen Pferden und inzwischen modernen Pferdearbeitsgeräten große Flächen im Naturschutz.

Den Hof führt seit zwei Jahren der Sohn weiter. Es wird nach Bioland-Richtlkinien Getreide, Heu und Stroh erzeugt und der Überschuß direkt vermarktet. Außerdem werden Übernachtungen angeboten.

Guido ist seit nunmehr 29 Jahren aktives Mitglied der IGZ und wünscht sich, daß die IGZ in Ihrem Bestreben nicht nachläßt, die Arbeit mit Pferden populärer zu machen. Das Wissen und die Fähigkeiten der „Pferdeleute“ sollen erhalten und weitergegeben werden. Die Zuchtverbände sollten nicht den Moden hinterherlaufen sondern nervenstarke und leistungswillige Arbeitspferde züchten.

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