Ende August wurde auf dem Freiberger-Hof Strasser in Bayern ein mehrtägiger APRI-Kurs mit anschließender Prüfung zum „Gewerblichen Fahren“ durchgeführt. Die Familie Strasser stellte hierfür ihre bestens ausgebildeten und erfahrenen Gespanne zur Verfügung, die einen reibungslosen Ablauf von Schulung und Prüfung ermöglichten.
Besondere Bedeutung hatte diese Veranstaltung durch die erstmalige Zusammenarbeit zwischen der Interessengemeinschaft Zugpferde e.V. (IGZ) und der Vereinigung der Freizeitreiter- und Fahrer in Deutschland (VFD). Erstmals nahmen Mitglieder beider Verbände gemeinsam an einem Kurs teil, wurden parallel ausgebildet und am Ende auch gemeinsam geprüft. Dieses Zusammenwirken ist ein wichtiger Meilenstein, um die Qualifizierung von Fahrern im gewerblichen Bereich zu stärken und die Ausbildung in Deutschland enger zu verzahnen.
Die Prüfung bestand aus mehreren Elementen: Zunächst mussten die Teilnehmer eine schriftlich-theoretische Prüfung absolvieren, in der Kenntnisse zu rechtlichen Grundlagen, Sicherheitsaspekten und der Umgang mit Pferden abgefragt wurden. Im praktischen Teil folgte das sichere Fahren im öffentlichen Straßenverkehr, bei dem die Gespannführer ihre Aufmerksamkeit, Umsicht und Routine unter Beweis stellten. Abschließend galt es, einen anspruchsvollen Hindernisparcours zu bewältigen, der sowohl fahrtechnisches Können als auch präzise Kommunikation zwischen Fahrer und Pferd verlangte. Abgenommen wurde die Prüfung durch Andreas Martens (VFD) aus Oldenburg sowie Stephan Dietrich, den 1. Vorsitzenden der IGZ.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch einer französischen Delegation des IFCE (Institut français du cheval et de l’équitation). Die Gäste verfolgten den Ablauf der Prüfungen mit großem Interesse. Ihr Besuch stand im Rahmen eines EU-geförderten Erasmus-Projektes, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Reitausbildung in Frankreich grundlegend zu reformieren. Während der Bereich Freizeit- und Sportreiten dort bereits fest verankert ist, fehlte bislang die systematische Einbindung landwirtschaftlicher Nutzung und Arbeit mit Zugtieren. Mit dem Erasmus-Projekt soll dieser Bereich nun gestärkt und zukünftig in die offizielle Ausbildung integriert werden. Um die sprachliche Barriere zwischen Prüfern, Teilnehmern und Gästen zu überbrücken, reiste Douke Eekman aus dem Bundesvorstand der IGZ an und unterstützte tatkräftig als Übersetzer. Hierfür ein ganz herzlicher Dank.
Die Veranstaltung auf dem Hof Strasser bot damit wertvolle Einblicke: Zum einen zeigte sie, wie fundierte Ausbildung und praxisnahe Prüfungen im Bereich des gewerblichen Fahrens organisiert werden können, zum anderen vermittelte sie der Delegation konkrete Ansätze für die geplante Erweiterung des französischen Ausbildungssystems. Damit leistete die Kooperation nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung in Deutschland, sondern auch zur Weiterentwicklung der Ausbildung auf europäischer Ebene.
Fazit
Im Verlauf der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Anforderungen der VFD und der APRI-Ausbildungsrichtlinien der IGZ inhaltlich sehr nah beieinander liegen. Diese Gemeinsamkeiten erleichtern nicht nur die Zusammenarbeit, sondern schaffen auch eine solide Basis für zukünftige gemeinsame Prüfungen und Ausbildungsformate. Insgesamt war es eine äußerst gelungene Veranstaltung mit hervorragend vorbereiteten Prüflingen, die ihr Können in Theorie und Praxis überzeugend unter Beweis stellten.



